Fallbeschreibungen
Asthma – Natrium sulfuricum
Ein siebenjähriger Junge hat schon seit 2 ½ Jahren Asthma. Er bekam deswegen häufig Pulsatilla und Silicea in der C 12, zusätzlich alles zwei Tage Tuberkulinum.
Das Asthma ist sehr deutlich schlechter, wenn es regnet.
Er hat häufig nachts Atemnot, besonders zwischen 23 Uhr und 5 Uhr morgens. Die Atemnot ist schlechter während des Schlafes.
Jetzt hat er noch einen trockenen Husten dazu bekommen. Der Husten ist schlimmer im liegen, er setzt sich auf, um zu husten. Er hat seit heute Nacht auch noch Ohrenschmerzen, schlimmer auf der linken Seite und das Ohr ist rot
Allgemein: er schwitzt sehr stark, seine Lippen sind sehr rot.
Psychisch ist er sehr anhänglich, ängstlich, babyhaft und will immer in der Nähe seiner Mutter sein.
Die Repertorisation:
Asthma < bei Regen
Asthma bei Kindern
Husten < im liegen
Husten > aufsetzen
Die Verordnung ist Natrium sulfuricum C 30.
(Die Symptome „rotes Ohr“ und „Ohrschmerz links“ und "schwitzen" passen zu Sulfur und sind somit vom Sulfur-
anteil des Natrium sulfuricums abgedeckt.
Das Mittel hat akut sehr gut geholfen.
Wie ein geschlagener Hund.....
Eine Frau möchte wegen Hautproblemen und Aggressionen einen Termin bei mir haben. Sie redet sehr bayrisch und ist äußerst freundlich. In der darauffolgenden Woche kommt sie abends nach der Arbeit; sie trägt eine dicke Mütze und einen großflächig schwarz-weiß-gemusterten Mantel. Gleich bei der Ankunft muss ich an einen Dalmatinerhund denken.... Als sie die Mütze abnimmt, kommen grau-braun-beige struppelige Haare zum Vorschein.
Sie arbeitet in einer Putzfirma, wohnt allein, hat niemand. Ich frage ein bisschen über ihre Geschichte und sie erzählt von der unfreundlichen Kindheit auf einem Bauernhof, sie sei „behandelt worden wie ein Hund“, geschlagen vom Vater, wenn sie nicht „pariert“ hätte und ignoriert von der Mutter. Sie sei gezeugt worden, um eine „Magd auf dem Hof“ zu haben. Das erzählt sie alles mit kernigen Ausdrücken, überhaupt schimpft sie sich jetzt richtig warm. Sie erzählt von einer langjährigen Beziehung mit einem Mann, auch der hat sie geschlagen, wenn sie nicht funktioniert hat, „die alte Sau“ ist noch ein vergleichsweise moderater Ausdruck. Er hat sie zu Sachen gezwungen, die sie nicht wollte, vor allem auf sexuellem Gebiet und sie hat sich nicht getraut, sich zu wehren wegen der Schläge. Nach zehn Jahren hat er sie verlassen und sie sei sich vorgekommen wie ein „räudiger Hund, den man aus dem Haus geschmissen hat“.
Jetzt hat sie eine Chefin, die sie mag, der erste Mensch, der nett zu ihr ist. Sie holt sie manchmal mit dem Auto ab und nimmt sie mit zur Arbeit. Die Arbeit selber macht sie nicht ungern, aber wenn sie länger erzählt, kommt sie immer wieder ins fluchen und schimpfen über die Kollegen, die Nachbarn etc., wieder mit deftigen Worten.
Ich bin ein wenig fertig von so viel Unglück, Einsamkeit, von all den Mißhandlungen und frage sie nach einem Erlebnis, das schön war für sie. Nach längerem Nachdenken erzählt sie mir folgende Geschichte: Sie ist mit ihrer Chefin mit dem Auto unterwegs und halten an einem Kiosk an, um sich eine Cola zu kaufen. Sie stehen da ein wenig herum, trinken, ratschen und fahren dann weiter. Die Chefin bemerkt später, daß sie einen 50-Euro-Schein beim bezahlen verloren hat. Er muss ihr aus dem Geldbeutel gefallen sein. Die Chefin ist ärgerlich, will aber weiterfahren, weil danach suchen eh nichts bringen würde. Meine Patientin besteht aber darauf, zurückzufahren und sie macht sich auf die Suche. Tatsächlich findet sie den verlorenen Schein. Und dann kommt das schönste Erlebnis: Das war, als ich meiner Chefin die 50 Euro zurückgegeben habe.
Auf der körperlichen Ebene hat sie sehr viel Schuppen, sehr trockene Haut und Haare und Neurodermitis im Gesicht und an den Armen. Sie hat immer wieder Ischiasbeschwerden auf der rechten Seite und eine sehr starke Periode.
Essensmodalitäten sind schwer zu erfragen, sie holt sich meist eine Tiefkühlpizza, weil sie keine Lust zum kochen hat. Aber manchmal Gier nach Fleisch.
Ich gebe ihr zuerst Natrium muriaticum, das Mittel hat aber überhaupt keine Wirkung. Dann bekommt sie Lac caninum C 200 in fraktionierter Gabe (Carrara-Methode).
Nach vier Wochen sehe ich sie wieder und sie kann erstaunlich differenziert über die Wirkung berichten. Die Aggressionen sind fast verschwunden. Sie muss sich nicht mehr über alles aufregen, die Sprache hat sich geändert, sie ist feiner geworden. Und sie sagt auch, das Mittel nehme ihr auch die vielen Hass- und Rachegefühle, die sie nie losgeworden sei. Körperlich ein wenig hin und her, die Haut ist bis jetzt nicht besser, sie war sogar schlimmer. Wir lassen das Mittel wirken, sie kommt immer mal wieder vorbei, fragt jetzt nach Büchern über Homöopathie, liest in ihrer freien Zeit und ist zu einer großen Anhängerin von Hahnemanns Lehre geworden. Nach einem Jahr wird die Haut allmählich besser.
Fall: Verstopfung
Eine Mutter konsultiert mich wegen ihres Sohnes. Der Junge ist 5 Jahre alt und leidet seit einer Woche an Verstopfung. Es fing an mit krampfartigen Bauchschmerzen. Weil das Kind sehr aggressiv ist – es tritt um sich, schlägt, schreit, stampft mit den Füßen und benimmt sich vergleichsweise ziemlich schamlos - wurde ihm schon Stramonim und Hyoscyamus verordnet.
Die Mittel haben nicht geholfen. Die Mutter meint: “zu viel Wut im Bauch“ (er weigert sich auch, auf die Toilette zu gehen).
Weil es ihm so schlecht ging, war er sogar drei Tage in Krankenhaus, dort wurden ihm Einläufe verordnet. Organische Probleme wurden nicht festgestellt. Nach dem Krankenhausaufenthalt bekam er Opium C 30 und abführende Getränke, z.B. Pflaumensaft, Fencheltee, und andere Hausmittel. Nichts hat ihm helfen können.
Die Mutter ist äußerst besorgt, außerdem hat er morgen Geburtstag hat und sie würde sich so sehr ein schönes Fest für ihn wünschen.
Typ: sehr schlank, braune Haar, sehr aktiv und kontaktfreudig. Spielt den Clown.
Verhält sich schamlos und exhibitionistisch. Seine Stimmung ist sehr wechselhaft: zu Hause aufgedreht im Kindergarten vorbildlich. Er ist eifersüchtig auf seinen Bruder - möchte immer im Mittelpunkt sein. Er hat wenig Appetit und kein Durst.
Sein Geburt war auch problematisch; mit einem Jahr hatte er schon Bronchitis, Pneumonie und Otitis media.
Gestern gab ihm die Mutter öfters Magnesium phosphoricum D 6.
Nach Fallanalyse und Repertorisation verordnete ich ihm Tarantula hispanica C 200.
Die wichtigste Symptomen:
Obstipation, Abführmittel hilft nicht
Hysterisch, lasziv
Schamlos...
Ich bekam nach zwei Tagen ein Anruf von der Mutter, die ganz glücklich erzählte, dass der Geburtstag sehr schön war, ihr Sohn sei wie verwandelt. Er war äußerst lieb und zufrieden. Nach der Mitteleinnahmen war er noch am gleichen Tag erfolgreich auf der Toilette.
Ferrum phosphoricum, plötzliche Ohrenschmerzen
Fallbeschreibung:
Die kleine Helena, 3 Jahre alt, leidet seit einigen Tagen an einer Erkältung. Nichts auffälliges, ein bisschen Husten, ein bisschen Schnupfen, mittleres Fieber um 38 °. Die anfänglich gegebenen Mittel Aconit und Belladonna haben kaum etwas gebracht.
Plötzlich, weit nach Mitternacht, wacht die Kleine auf, schreiend. Sie hat starke Ohrenschmerzen, kann nichts weiter beschreiben, nur, dass es weh tut. Rotes Gesicht. Nun ruft die Mutter beim Notdienst an. Das Kind weint jämmerlich, die Mutter ist nervös, jetzt solls schnell gehen.
Ausarbeitung:
Ferrum phos wirkt fast spezifisch im ersten Entzündungsstadium der Mittelohrentzündung, bevor Eiterung auftritt. Charakteristische Eigenschaften fehlen. Langsam ansteigendes Fieber, allmählicher Beginn. Gesichtsfarbe wechselt, mal blass, mal rot. Klopfende Schmerzen im Ohr. Schlimmer nachts, besonders 4 bis 6 Uhr morgens.
Verordnung:
Ferrum phos C 30, 3 glob pur, weitere 3 glob im Wasserglas alle 5 bis 10 Min.
Mittelreaktion:
Die Patientin schlief nach etwa einer halben Stunde ein. Über Ohrenschmerzen klagte sie in Folge nicht mehr. Die Erkältungssymptome gingen in den nächsten 2 Tagen zurück.
Ein schneller, überzeugender Erfolg, den ich bei dieser Symptomenlage häufig feststellte.
Fall: Halsschmerzen
Eine Mutter ruft mich nachts wegen ihrer 5-jährigen Tochter an, sie ist um 23:30 Uhr weinend aufgewacht und klagt über linksseitige Halsschmerzen. Der Schlaf war unruhig und sie trat im Schlaf um sich.
Schon am Abend hatte sie stechende Schmerzen, Schnupfen mit klarer Absonderung und Speichelfluss. Fieber hat sie nicht gehabt. Sie hing den ganzen Tag unleidlich herum. Die Mutter gab ihr schon Belladonna C 30 und Lachesis muta C 30, beides hat ein wenig geholfen, sie konnte wenigstens einschlafen.
Das Kind kann kaum schlucken und sprechen fällt ihm auch schwer. Die Halslymph-knoten sind an der linken Seite stark geschwollen.
Ich frage die Mutter ob etwas besonders die letzten Tagen passiert sei und was die Ursache der Erkrankung sein könnte. Sie erzählt mir, dass ihre Tochter bei der Oma in den Ferien war („Sie ist ungern in Ferien, lieber zu Hause“). Sie mag die Oma, aber braucht Zeit, sich an eine fremde Umgebung zu gewöhnen. Sie ist überhaupt schüchtern, hat Bedenken fremden Personen gegenüber und ist nicht selbstständig genug. Eifersucht auf ihre kleine Schwester spielt auch eine Rolle. Außerdem wurde erzählt, dass am letzten Tag auch ein kalter Wind wehte. Vielleicht hat sie sich unterkühlt.
Sie ist blond, zierlich, klein, unentschlossen, unsicher, schüchtern
Hohe Schmerztoleranz
Eifersucht auf kleinere Geschwister
Anhänglich, liebebedürftig
Weint schnell
Die wichtigsten Symptome:
Halsschmerze
Geschwollene Lymphknoten
Schüchternheit
Unentschlossenheit
Eifersucht
Ich verordnete Ihr Barium carbonicum C 30
Am nächsten Morgen bekomme ich die Rückmeldung, dass es ihr besser geht. Sie ist zwar noch schlapp, aber kann trinken, essen und sprechen. Es tut nur noch wenig weh. Ich empfehle Barium carbonicum C 30 aufgelöst weiter zu geben.
Eine Frau konsultierte mich, weil ihre 4-jährige Tochter Lisa, die unter allergischem Asthma leidet, seit gestern einen starken, bellenden Husten hat. Sie hätte gestern in einem Planschbecken gespielt und sich dort vielleicht verkühlt. Der Husten scheint von tief unten aus der Brust zu kommen. Beim Husten tut ihr der Hals weh. Außerdem hat sie Schnupfen und ist sehr heiser. Die Mutter erzählte mir, dass Lisa die Nacht vorher unruhig geschlafen, sehr gefroren hätte und nicht gut atmen hätte können. Jetzt hat sie ganz glänzende Augen und rote Backen. Die Mutter war sehr besorgt, weil Lisa schon früher einmal einen Pseudokruppanfall hatte, der sehr dramatisch verlaufen ist. Beim Pseudokrupp kann es zu einer Einengung der Atemwege und dadurch zu Atemnot kommen.
Ausarbeitung
Verordnung
Aconit C 30.
Mittelreaktion
Nach 3 Stunden war Lisa wieder ganz fit und ihr Husten wie weggeblasen. Die Mutter war begeistert von der schnellen Wirkung des homöopathischen Mittels.
Ein ca. 50 jähriger Mann ruft abends beim homöopathischen Notdienst an. Er berichtet, dass er seit ca. einer Woche unter Schmerzen in den Hoden leidet. Wegen dieser Beschwerden ist er auch zum Arzt gegangen, der eine Epididymitis (Entzündung der Nebenhoden) festgestellt hat. Jetzt gegen Abend haben sich seine Beschwerden nochmals deutlich verstärkt. Er verspürt ein Brennen und ein Ziehen von den Leisten in die Hoden. Es ist ein drückender Schmerz, der sich bei Berührung und im Stehen deutlich verschlimmert. Die Beschwerden sind auf der rechten Seite besonders stark und seine Hoden sind auch etwas geschwollen. Ansonsten hat er keine weiteren Symptome, keine Veränderung seiner Gemütsverfassung oder von wesentlicher Allgemeinsymptome wie Schlaf, Körpertemperatur und Nahrungsmittelverlangen.
Ausarbeitung
Um zu dem angezeigten Mittel zu kommen, wurden folgende Symptome im Repertorium (Symptomenverzeichnis) nachgeschlagen und bei der Ausarbeitung des Falles berücksichtigt:
- Männliche Genitale, Schmerz, drückend, Hoden rechts
- Männliche Genitale, Hydrozele (Flüssigkeitsansammlung im Hoden)
- Männliche Genitale, Schmerz, ziehend, Hoden
Verordnung
Aurum metallicum C200. Das einzige homöopathische Arzneimittel welches alle drei Symptome dieses Falles beinhaltet, ist Aurum metallicum, das aus Gold hergestellt wird. Liest man über die Symptome dieses Mittel in den Arzneimittellehren nach, so findet man dort Schmerz und Schwellung in den Hoden, Hydrozele, der rechte Hoden ist besonders betroffen, verstärkte Schmerzen bei Berührung etc. Die wesentlichen Symptome des Patienten decken sich somit mit denen des Arzneimittels, was zur Verordnung von Aurum metallicum führt.
Mittelreaktion
Zwei Tage nach Einnahme von Aurum metallicum C200 sind kaum noch Schmerzen vorhanden. Er fühlt sich wieder rundum gut.
Eine scheinbar bereits auskurierte spastische Bronchitis kommt nach zehn Tagen wieder zum Vorschein: Das Kind hat Fieber von 38,5 - 40 Grad Celsius; die Lunge zeigt beim Einatmen Röcheln und feuchte, nicht klingende Rasselgeräusche - die Symptome sind schlechter im Liegen. Schleim löst sich beim Husten. Kopf, Hände und Füße sind heiß und trocken. Trinken und zeitweises Stillen normal, er verlangt jedoch nur nach kaltem Essen. Jeden Morgen sondert sich gelber Nasenschorf ab. Anton hat großes Schlafbedürfnis, tags ein ruhiges Gemüt, er spielt oder möchte bei seiner Mutter sein.
Ausarbeitung
- Fieber, Continua
- Fieber, Schweiß, abwesend
- Nase, Absonderung, Krusten, Schorfe in der Nase, gelb
- Atmung, Pfeifend, beim Liegen
- Atmung, Pfeifend, beim Einatmen
- Husten, Gelöst locker
- Schlaf, Schläfrigkeit, Hitze, während
- Allgemeine, Speisen und Getränke, kalte Speisen
Verordnung
Anton erhält Calcium carbonicum C 30 (auch ein sehr wichtiges Mittel für die chronisch-konstituionelle Behandlung von Kindern).
Mittelreaktion
Rückruf am nächsten Tag: Nacht war ruhig, die Lunge zeigt nur noch leichtes Rasseln beim Ausatmen, Temperatur jetzt bei 37,3 Grad - keine heißen Extremitäten mehr. Wir warteten weiter ab. Keine späteren Anrufe mehr.
Die Patientin entband vor einer Woche ihr 3. Kind. Währen des letzten Schwangerschaftsmonats trat die Ureteritis (=Harnleiterentzündung) bereits auf, wurde von ihrem Hausarzt durch Amoxicillin und einem Sepiapräparat behandelt. Die Mutter klagt jetzt erneut und verzweifelt über starkes Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen, v.a. am Ende des Urinierens. Sie bleibt am liebsten auf der Toilette sitzen, da ständiger Urindrang besteht. Erleichterung erfährt sie durch Pressen von außen gegen die Scheide und Wärmeanwendung auf dem Unterbauch. Sie schwitzt (auch generell) und friert, trinkt viel Salbeitee. Wegen der Schmerzen ist sie sichtlich genervt, will zu Hause alles schnell und selbst erledigen.
Ausarbeitung
- Harnröhre, Schmerz, brennend, beim urinieren
- Blase, Urinieren, Dysurie (=Störung der Harnentleerung), schmerzhaft
- Blase, Harndrang, häufig
- Blase, Schmerz, beim Urinieren, nachdem wenige Tropfen abgehen
- Harnröhre, Jucken
- Allgemeines, Wärme, amel.(=Besserung)
- Allgemeines, Druck, amel.(=Besserung)
- Gemüt, Reizbarkeit, Gereiztheit, bei den Schmerzen
Verordnung
Nach Auswertung zeigt sich Cantharis, die sog. Spanische Fliege, als prominent. Sie nimmt Cantharis C 30.
Mittelreaktion
Rückruf am nächsten Tag: Die Reizbarkeit ist wesentlich gemildert. Das Brennen war um 50% weniger, bis abends verschwand es ganz. Frau Nicole G. wiederholte nach zwei Wochen Cantharis in der C 200 wegen erneutem leichten Brennen der Urethra.
Eine Frau rief mich an, und bat mich um Hilfe bei Ihrer Erkältung, die nun schon ein paar Tage andauerte. Sie klagte über eine Heiserkeit, die zwar nicht schmerzte, sie beim Sprechen aber sehr behinderte. Sprechen sei für sie sehr anstrengend, sie krächzte. Sei hatte einen trockenen Husten, auch nachts, sie erwachte teilweise auch davon. Der Husten saß fest und sie konnte nicht abhusten. Sie hatte einen großen Durst auf kalte Getränke, welche ihren Husten besserten. Appetit hatte sie gar keinen. Ihr Kopf fühlte sich schwerer an als sonst und sie fühlte sich sehr matt. Die Patientin klang trotz ihrer Erkrankung fröhlich und sehr freundlich.
Ausarbeitung
Folgende Rubriken wurden benutzt:
- Husten, trinken bessert
- Kehlkopf und Trachea, Stimme heiser, Heiserkeit
- Husten, Quälend, qualvoll
- Allgemeines, Speisen und Getränke, kalte Getränke, Verlangen
Verordnung
Causticum C30, 2 Kügelchen trocken auf die Zunge und zwei weitere in einem Glas Wasser aufgelöst, schluckweise über den Tag verteilt trinken.
Mittelreaktion
Am folgenden Morgen ging es der Patientin schon um einiges besser. Die Mattigkeit sei gleich nach der Einnahme der Globuli verschwunden, berichtete sie. Die Stimme klang wieder fast normal, der Husten löste sich und sie konnte abhusten. Ich riet ihr, das Arzneimittel noch einen Tag in aufgelöster Form weiter einzunehmen. Sie wurde rasch wieder ganz gesund.
Felix hat eine Mittelohrentzündung. Er klagt über starke Schmerzen in beiden Ohren. Seine beiden Wangen sind gerötet, manchmal auch nur eine. Er bekommt gerade Zähne. Er hat relativ hohes Fieber, das v.a. spätabends ansteigt. Wie hoch es ist, kann man nicht sagen, da Felix sich vehement weigert das Fieber messen zu lassen. Seine Haut fühlt sich sehr heiß an. Er ist sehr anhänglich und quengelig, weint viel und will andauernd von Mama getragen werden. Die Nächte sind schlimm, berichtet die Mutter. Sie muss unbedingt in seiner Nähe sein, sonst weint er. Er hat viel Durst v.a. morgens. Sein Stuhlgang ist nicht in Ordnung. Der Stuhl ist etwas durchfallartig, grünlich und riecht scharf.
Ausarbeitung
Folgende Symptome wurden repertorisiert:
– Ohr, Entzündung, Mittelohr
– Gemüt, Verlangen getragen zu werden
– Gesicht, Farbe rot, eine Seite
– Rektum, Diarrhoe bei der Zahnung
– Zahnung, schwierig
Verordnung
Chamomilla C30 3 Globuli auf die Zunge und 2 weitere in einem Glas Wasser aufgelöst, schluckweise über den Tag verteilt gegeben.
Mittelreaktion
Am nächsten Tag berichtet die Mutter, dass es ihm viel besser gehe. Er weine nicht mehr so viel, die Ohrenschmerzen seien weg und auch das Fieber.
09.15 Uhr - Anruf einer Frau, 38 Jahre, Mutter zweier Kinder. Sie klagt über Gliederschmerzen, welche seit zwei Tagen anhalten. Ihre Temperatur ist 39.3 Grad Celsius, am Vortag sogar 40 Grad. Sie friert sehr stark. Dazu gesellen sich noch Kopfschmerzen, welche vom Nacken ausgehend bis zur Mitte des Hinterkopfs ziehen. Ihr Husten ist bellend, ohne Auswurf, erleichtert durch auf der Seite Liegen. Der Ausfluss des Schnupfens ist glasig. Sie hat viel Durst auf kaltes Wasser. Nachts schwitzt sie stark, dieses erleichtert sie aber angenehm. Ihre psychisch-mentale Situation beschreibt die Patientin als gestresst. Die Woche davor waren ihre beiden Kinder krank. Ein Arzt beschrieb die Kinder außerdem als latent hyperaktiv, eine Diagnose, die der Mutter wie ein Schock unter die Haut ging. Dazu kommen noch Sorgen und Termindruck im eigenen Beruf. Sie ist nervös und reizbar.
Ausarbeitung
Folgende Rubriken führen zu dem verordneten Mittel:
- Gemüt, Reizbarkeit
- Kopf, Schmerz, Hinterkopf, erstreckt sich nach oben
- Extremitäten, Schmerzen, im FieberAllgemeines, Influenza
Verordnung
09.45 Uhr - Das Gesamtbild der Symptome auf körperlicher und psychischer Ebene ergibt nach kurzer Repertorisation einen klaren Hinweis auf Gelsemium (= Gelsemium sempervirens, wilder gelber Jasmin). Drei Globuli Gelsemium C30, aufgelöst in ein Glas Wasser und über ca. 20 Minuten schluckweise getrunken.
Mittelreaktion
08.45 Uhr - Rückruf: Die Patientin schlief die meiste Zeit. Der Kopfschmerz ist verschwunden, der Husten löst sich, Appetit kommt. Die erleichternden Schweiße halten an. Subjektiv fühlt sie sich wesentlich besser, entspannter, weniger reizbar. Gelsemium wirkte weiter, keine weitere Verschreibung mehr, kein Rückruf.
Am frühen Morgen kommt ein Anruf von Frau Christiane S., die über sehr heftige Halsschmerzen klagt, sie sagt, dass sie so schwer Luft bekommt. Wegen der Heftigkeit der Erkrankung fahre ich zu der Patientin. Die Untersuchung ergibt, dass die Lymphknoten auf der linken Seite des Halses stark geschwollen sind, auf Nachfrage bestätigt sie auch, dass es auf der linken Seite sehr viel schmerzhafter sei, sie habe da das Gefühl, als ob auf der linken Seite des Halses ein Fremdkörper wäre. Sie hat einen etwas süßlichen Mundgeruch und der Hals ist innen dunkelrot, aber ohne Eiter. Heute Nacht sei sie von den Schmerzen aufgewacht und eigentlich nicht mehr eingeschlafen, weil sie Angst habe zu ersticken. Sie ist durstlos, wenn sie trinkt, dann nur kaltes Wasser in kleinen Schlucken. Sie hat einen fischigen Ausfluss aus den Ohren, der aber schon länger besteht, nun hört sie aber auch links schlechter. Im Liegen fühlt sie sich nicht wohl, weil der drückende Schmerz dann stärker ist. Hände und Füße sind heiß und verschwitzt und sie empfindet Hitze im Kopf. Sie hat zähen Speichelfluss, der etwas süßlich riecht.
Ausarbeitung
Es wurden folgende Symptome für die Repertorisation benutzt:
- Innerer Hals, Schmerz, linke Seite
- Innerer Hals, Klumpen, Gefühl eines Klumpens
- Allgemeines, Hitze, Gefühl von Hitze
- Gemüt, Furcht, ersticken
Verordnung
Das Ergebnis ist Lachesis muta, sie nimmt es in C 200.
Mittelreaktion
Am Abend rief sie mich an, sie sagt, es sei zu 70 % besser geworden. Die weitere Vorgehen war, Lachesis 200 in 1/8 Liter Wasser aufzulösen und davon noch 3 Schlucke im Abstand von 1 Stunde zu nehmen. Am nächsten Morgen ging es ihr gut.
Korbinian, 2 Jahre, hat eine eitrige Angina. Er fühlt sich sehr krank. Zudem hat er noch Gelenkschmerzen, er muss humpeln. Er ist blass und hat starken fast stechenden, etwas süßlichen Mundgeruch. Viel Speichel läuft ihm aus dem Mund. Das Fieber lag abends bei 39,6 Grad, jetzt will er sich nicht messen lassen. Er hat keinen Appetit, will nur kalte Milch trinken. Die letzte Nacht war schlimm, sagt die Mutter. Er jammert, weil er arge Schmerzen beim Schlucken hat. Außerdem leidet er unter einem eitrigen Schnupfen mit grünlicher Absonderung.
Ausarbeitung
Verordnung:
Korbinian erhält Mercurius sol C 30 3 Globuli auf die Zunge, dann weiter in aufgelösten Form in regelmäßigen Abständen.
Mittelreaktion
Am nächsten Tag geht es ihm bereits besser, am Tag darauf sind die Beläge auf den Mandeln verschwunden. Er humpelt nicht mehr und hat wieder einen gesunden Appetit.
Frau L. leidet unter starken Rückenschmerzen im Lumbalbereich (= Bereich der Lendenwirbelsäule), die plötzlich auftraten. Sie ist im 4.Monat schwanger. Der Schmerz erstreckt sich von der Wirbelsäule bis in die Taille, den Po und die Oberschenkel. Bei Bewegung hat sie einen Dauerschmerz, Sitzen ist fast unmöglich. Gehen ist nur unter großen Schmerzen möglich. Den Schmerz beschreibt sie als ein Pulsieren. Sie berichtet, dass die Nacht für sie schrecklich gewesen sei. Sie sei sehr unruhig gewesen und habe sich nur unter Qualen im Bett herumdrehen können. Sie friert und verlangt nach Wärme. Feste Stütze im Rücken tut ihr gut. Nasse Kälte und Zugluft verschlechtern ihren Zustand. Beim Niesen sticht es im Rücken. In den Armen spürt sie ein Schwächegefühl. Aufgrund eines bevorstehenden Examens und einiger privater Vorhaben fühlt sie sich sehr unter Stress. Sie ist ungeduldig.
Ausarbeitung
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, beim Sitzen
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, beim Drehen
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, pulsierend
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, erstreckt sich zu Gesäß
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, erstreckt sich zu Oberschenkel
– Rücken, Schmerz, Lumbalregion, bei Zugluft
– Gemüt, Ungeduld
Verordnung
Nux vomica C200 3 Globuli auf die Zunge.
Mittelreaktion
Rückruf am folgenden Tag: Frau L. hat viel besser geschlafen, auch die Schmerzen sind erträglicher geworden. Ich schlage Frau L. vor das Mittel noch weiter in aufgelöster Form einnehmen. Sie berichtet am darauffolgenden Tag, dass die Schmerzen so gut wie verschwunden sind und sie auch nachts wieder gut schlafen kann.
Herr L. ruft an wegen akuten Ischias-beschwerden. Die Beschwerden sind auf der rechten Seite mit Gefühllosigkeit des Oberschenkels. Nachdem er verschwitzt aus einer Diskothek kam, stand er zulange im Luftzug. Gestern und heute morgen war es besonders schlimm beim Erwachen. Auch kann er sich nicht bücken, danach schmerzt das Aufrichten sehr. Ihm geht es besser nach einem warmen Bad. Lange sitzen kann er auch nicht. Er fühlt sich ruhelos und selbst in der Nacht hat er sich ständig hin und her gewälzt und konnte keine richtige Lage finden. Auf der rechten Seite konnte er gar nicht liegen.
Ausarbeitung
Für die Ausarbeitung des Falles wurden folgende Rubriken im Repertorium (Symptomenverzeichnis) nachgeschlagen:
- Allgemeines, Luft, Zugluft, verschlechtert
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischialgie
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischialgie begleitet von Gefühllosigkeit
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischialgie, Bewegung, Beginn der Bewegung
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischialgie, aufstehen vom Sitzen
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischialgie, Wärme bessert
- Extremitäten, Schmerz, Beine, Ischilagie, beim Liegen, Seite, auf der schmerzhaften Seite
- Allgemeines, Baden, heißes Baden bessert
- Allgemeines, Ruhelosigkeit
Verordnung
Rhus-toxicodendron C200 - Doppelgabe (1x2 Globuli), nach 4 Stunden nochmals 1x2 Globuli.
Mittelreaktion
Nach vier Stunden waren die Beschwerden wesentlich besser. Nach sechs Stunden keinerlei Beschwerden mehr.
Die Mutter ruft am Wochenende an, weil sich ihr kleiner Sohn seit Tagen immer wieder heftig erbricht und das immer am Abend, wenn er ins Bett gehen soll. Das Erbrechen wird durch nicht endendes Schreien ausgelöst. Zur Vorgeschichte: Leos Geburt war sehr schnell und heftig, in der Schwangerschaft wurden viele Ultraschallbilder gemacht. Schlaf war immer schlecht, oberflächlich, Weinen im Schlaf, ängstliches Erwachen. Leo ist tagsüber meist lieb und nett, manchmal heftige Zornausbrüche, die sich aber schnell wieder legen. Abends kommt das Problem, er wehrt sich heftig gegen das ins Bett gehen, er schreit und schreit, das Licht darf man überhaupt nicht ausmachen. Er schläft dann irgendwann aus Erschöpfung ein, die Mutter muss ihm die ganze Zeit die Hände aufs Gesicht legen. In den letzten Tagen ist alles eskaliert, er schreit noch mehr und durch das lange Schreien erbricht er sich. Er knirscht mit den Zähnen in der Nacht und wacht oft auf, immer mit ängstlichem Gesichtsausdruck, immer wieder auch mit Schreien.
Ausarbeitung
Folgende Rubriken wurden verwendet:
- Gemüt, schreien, bei Kindern
- Gemüt, Furcht, allein zu sein
- Gemüt, Furcht in der Dunkelheit
- Zähne, Zähneknirschen, nachts
Verordnung
Stramonium C 200
Mittelreaktion
Am nächsten Tag hat die Mutter angerufen, es ging viel besser. Eine Konsultation nach fast 2 Jahren wegen einer akuten Bronchialerkrankung ergab, dass Leo in der ganzen Zeit problemlos ins Bett ging und das Erbrechen und Schreien nie wieder auftrat.