Genuine Homöopathie

Unter genuiner Homöopathie versteht man die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Lehre Samuel Hahnemanns, wie sie von ihm und seinen engsten Schülern ( u.a. Bönninghausen, Jahr, Hering, Boger, Lippe ) praktiziert wurde. Es werden nur die 125 Arzneimittel der RAML (Reine Arzneimittellehre von Samuel Hahnemann mit den gesammelten Arzneimittelprüfungen) verwendet und keine später dazugekommenen Mittel. Der Begriff genuine Homöopathie  wurde von Dr. Will Klunker (1923 – 2002) geprägt und von seinem Schüler Anton Rohrer definiert ( G. Bleul: Homöopathische Fallanalyse, Kapitel: Genuine Homöopathie – Symptomenlexikon nach Hahnemann).

Nach Hahnemann gibt es eine Heilungsgewissheit, wenn man die sichere Wirkung einer Arznei kennt. Diese zeigt sich ausschließlich in den Arzneimittelprüfungssymptomen und nicht in den klinischen Heilsymptomen. In den heutigen Repertorien stammen aber die meisten Nachträge aus klinischen Erfahrungen und dadurch wird die Wirkungsgewissheit erheblich beeinträchtigt.

Nur aus den Arzneimittelprüfungssymptomen können die Charakteristika der Arznei bestimmt und herausgefiltert werden; diese bestehen aus einzelnen Bausteinen, aus Zeichen und Zeichenkombinationen. Das Charakteristische ist immer Bestandteil von mehreren Prüfungssymptomen, Hahnemann hat es nie aus einem einzelnen Prüfungssymptom gewählt. So ist  für Bryonia das Stechen bei Berührung charakteristisch,  in den Prüfungen  kam es vor in der Brust, der Hand, dem Knie und den Gelenken, d.h in mehreren einzelnen Leitsymptomen. Hahnemann hat nicht versucht, ein vollständiges  Krankheitssymptom beim Patienten (z. B Stechen im Knie bei Berührung) mit dem vollständigen Prüfungsprotokoll einer Arznei abzudecken. Denn  eine Arznei  erzeugt niemals ganze und vollständige Symptome (sonst hätten alle Prüfer die gleichen Symptome und alle Prüfungsprotokolle würden gleich aussehen). Er hat die charakteristische unverwechselbare Wirkung einer Arznei  herausgefiltert, die aus der Kombination verschiedener Bausteine oder Zeichen beruht. Den Versuch, das vollständige Symptom mit einem einzelnen vollständig passenden Arzneimittel abzudecken, bezeichnete er als bloße Symptomendeckerei.

Das Symptom wird in seine Bestandsteile, Bausteine  oder Zeichen zerlegt: „Stechen im Knie bei Berührung“ besteht aus drei Zeichenkombinationen:

  • Stechen im Knie 
  • Stechen bei Berührung
  • Knieschmerz bei Berührung

Die Zeichenkombinationen müssen einen logischen Sinn ergeben und logisch auf den Fall passen. Unlogische Kombinationen (wie z. B Übelkeit links) kann man  weg- lassen. Die Zeichenkombinationen sind im Symptomenlexikon zusammengestellt. Ein Repertorium ist nicht das passende Werkzeug dafür, vieles kann nicht wirklich erfasst werden (z.B kann man im Repertorium das alleinige „Stechen bei Berührung“ nicht finden, man kann es nur bei einzelnen Organen finden z.B im Kopf oder im Knie), die umfangreichen Daten der Materia medica können nicht aufgezeigt  werden, deshalb gibt es in unseren neuen PC – Programmen die Möglichkeit der Querverweise zur Materia medica. Selbst Hahnemann sprach schon davon, dass ein Repertorium nur leichte Winke geben kann, aber kein vollständiges Werkzeug ist.

Bereits Hahnemann selbst hat sich handschriftlich ein Symptomenlexikon zusammengestellt und damit gearbeitet, aber es wurde nie vollendet und veröffentlicht. 2004 hat es der Heilpraktiker Uwe Plate mithilfe der heutigen modernen Elektronik  geschafft, ein digitales Symptomenlexikon zu erschaffen, mit dem man die Zeichenkombinationen und ihre Charakteristika erfassen kann.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass man für bestimmte Beschwerden  nicht mühsam ein gleichlautendes Prüfungssymptom finden muss (was übrigens manchmal gar nicht möglich ist), sondern dass man über die Zeichenkombinationen und die Darstellungsweise im Computerprogramm schnell sieht, welche Mittel infrage kommen. Über zusätzliche Zeichenkombinationen kommt man systematisch und mit großer Verordnungssicherheit zum Simile. Nach den Vertretern der Methode ist es die einzige Möglichkeit, das Similegesetz unverfälscht anzuwenden und die Fehlerquellen sowohl  der normalen Repertorien als auch der eigenen Subjektivität auszuschließen. Da die Verschreibungen auf den Prüfungssymptomen der Arzneimittel beruhen, haben Spekulationen und philosophische oder psychologische Überlegungen keinen Raum.