Interview mit Herrn Dr. Holger Malchow von der Clinica Santa Croce, Orselina

. Arzt für innere Medizin und Homöopathie

. Seit 2005 an der Clinica Santa Croce

 

1. Wie war Ihr Werdegang und was war für Sie der entscheidende Punkt sich für die

Homöopathie zu entscheiden?

Mein Vater war länger krank und hat Hilfe durch einen homöopathischen Arzt erfahren.

Daraufhin habe ich beschlossen Medizin zu studieren und Homöopath zu werden. Nach dem

Medizinstudium habe ich eine Facharztausbildung zum Internisten gemacht und parallel

dazu die Homöopathie in Arbeitskreisen gelernt, um die Zusatzbezeichnung Homöopathie zu

erlangen. In der internistischen Praxis war ich auch teilweise homöopathisch tätig.

2. Seit wann arbeiten Sie hier mit schwerstkranken Patienten in der Clinica Santa Croce in Locarno und was hat Sie hierher geführt?

Bereits während meines Medizin-Studiums bin ich zu den monatlichen Supervisionen zu

Herrn Dr. Spinedi gefahren. Den ersten Kontakt hatten wir 1994 bei einem Studentenseminar

und ab 1995 durfte ich dann an den Supervisionen teilnehmen.

1997 hat Herr Dr. Spinedi die Klinik eröffnet. Ich habe mich 2005 nach Abschluss meines

Facharztes hier beworben, weil es immer mein Wunsch war, hier zu arbeiten.

3. Was sind das für Patienten, die zu Ihnen kommen? Haben diese Patienten bereits eine Odyssee von Therapien hinter sich und möchten nun auch noch die Homöopathie ausprobieren oder sind es Patienten, die sich bewusst für die Homöopathie entscheiden?

Wir haben ein großes Spektrum an Patienten. Zu 90-95% handelt es sich um Krebspatienten.

Das Spektrum reicht von Patienten, die nach einer Tumordiagnose eine reine homöopathische Behandlung wünschen bis zu denen, die von der Schulmedizin austherapiert sind und zum sterben nach Hause geschickt wurden.

Ein Großteil der Patienten befindet sich im Stadium 4.

4. Wie läuft die Behandlung ab, nachdem der Patient die Klinik betreten hat?

Die Erstanamnese erfolgt am Aufnahmetag mit besonderem Schwerpunkt auf die Krebserkrankung.

Diese Erstanamnese wird von 2 Ärzten studiert und ausgewertet. Das ist der Arzt, der die Anamnese erhoben hat und ein Supervisor. Über die Mittelverschreibung wird gemeinsam entschieden.

Man beginnt dann am Folgetag mit der homöopathischen Therapie.

Jeden Tag gibt es persönliche ärztliche Visiten, die am Wochenende per Telefon stattfinden. Einmal in der Woche gibt es eine Visite zusammen mit dem Supervisor.

5. Wonach richtet sich die Verschreibung? Ist es die Gesamtheit der im Moment vorherrschenden Symptome, konstitutionell oder organbezogen oder gibt es keine feste Regel?

Ziel der Erstanamnese ist es, die Totalität der Symptome zu erfassen.

Dann folgt die Analyse, bei der das Konstitutionsmittel, das Tumormittel, das miasmatische Mittel und eventuell ein Akutmittel herausgearbeitet werden.

Die Verordnung richtet sich nach der Analyse, was im Moment im Vordergrund steht, woran der Patient aktuell leidet und das wird dann verschrieben.

Das Konstitutionsmittel ist z.B. Phosphor und die Patientin kommt zu uns nach Chemotherapie und Bestrahlung und leidet an einem Mamma-Ca. Dann ist Phosphor das Mittel für die komplette Totalität.

Es kann auch sein, dass die erste Verordnung Staphisagria ist, wenn der Patient operiert wurde und noch kein Staphisagria bekommen hat oder Belladonna bei einer massiv entzündeten Brust oder wenn die Schmerzsymptomatik darauf hinweist, auch wenn die Patienten konstitutionell ein anderes Mittel brauchen.

6. Ist es erforderlich, dass die Patienten, die ja vermutlich auch von weither kommen,regelmäßig hier in Orselina erscheinen zur Kontrolle oder wie läuft der Kontakt nach dem Aufenthalt?

Nach dem Aufenthalt hier in Orselina bleiben wir in der Regel per Telefon, Email oder Skype in Kontakt mit dem Patienten und idealerweise kommen sie 1-2x pro Jahr ambulant zu uns zur Konsultation.

7. Wie sind die Heilungschancen ohne schulmedizinische Unterstützung?

Wenn ein Patient kommt mit einem Tumor und keine schulmedizinische Behandlung wünscht, dann nehmen wir das an, gehen Schritt für Schritt vor, machen die regelmäßigen schulmedizinischen Kontrollen und entscheiden dann, ob der Weg so weiter gehen kann.

Es besteht eine gute Chance, dass man einen Tumor so heilen kann.

8. Kommen auch Patienten, für die es die erste homöopathische Behandlung ist bzw. die der Homöopathie skeptisch gegenüber stehen?

Es kommen Patienten zur ersten homöopathischen Behandlung in ihrem Leben aufgrund von Empfehlungen oder über unsere Internetseite. Alle Patienten werden gleich behandelt und sie werden überzeugt durch die persönliche Erfahrung, dass die Homöopathie wirkt und kein Placebo ist.

9. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die vielen Krebserkrankungen auch bei vielen jungen Menschen?

Einerseits hat es sicherlich etwas mit der Umweltbelastung durch Strahlen zu tun. Die Nutzung von Fernsehen, Computer und Handys trägt sicherlich dazu bei. Andererseits dürfen auch Impfungen und miasmatische Belastungen nicht unterschätzt werden.

10. Wo sehen Sie die Homöopathie in 50 Jahren?

Das ist eine interessante Frage.

Im Moment ist das offen. Wenn man in Betracht zieht, dass die Schulmedizin immer teurer wird, könnte es sein, dass sich auch die westlichen Länder diese in 50 Jahren nicht mehr leisten können und dann sehe ich die Homöopathie als gute Alternative.

Was uns Sorgen macht, ist die Qualität der Homöopathie, es gibt Kollegen, die noch nie das Organon oder die Kent’sche Theorie gelesen haben. Dann herrscht eine große Verwirrung bei der Dosierung. Es kommen Patienten zu uns, die über Jahre täglich Hochpotenzen (M, XM oder gar CM) bekommen haben und dann Krebs entwickelt haben. Das ist eine große Gefahr.

Von ärztlicher Seite nimmt die Bereitschaft, eine homöopathische Ausbildung zu absolvieren, leider immer mehr ab, weil die Hürden immer größer werden.

Vonseiten der Bevölkerung ist eine große Unterstützung für die Homöopathie da, das macht Mut.

Herr Dr. Malchow, herzlichen Dank für dieses Interview!