Von zerbrochenem Geschirr, Liebeskummer und schlaflosen Nächten
: Ein ganz normales Wochenende des homöopathischen Notdienstes in München.

In der Nacht von Freitag auf Samstag erreicht ein verzweifelter Anruf 
 den homöopathischen Notdienst in München.
Eine junge Frau ist gerade 
 von ihrem Freund verlassen worden. Sie ist rasend vor Wut und Eifersucht und läßt sich überhaupt nicht beruhigen. Ich setzte mich ins Auto und fahre so schnell wie möglich zu ihr. Eine gut aussehende leicht korpulente junge Frau erwartet mich schon an der offenen Tür. Sie hat einen hochroten Kopf, verweinte Augen und ist wie von Sinnen. In der Wohnung liegt zerbrochenes Geschirr am Boden, durch die offene Balkontür weht Wind, Kälte und Regen.
 Nachdem wir zusammen ein wenig aufgeräumt, Tee gekocht und die Balkontür geschlossen haben, erzählt sie mir ihre Geschichte.

 
Sie studiert Ethnologie und hat sich in einen afrikanischen Studenten aus dem Senegal verliebt. Die Beziehung war anfangs schwierig wegen des unterschiedlich kulturellen Hintergrundes, aber nach einiger Zeit lief es hervorragend. Bis auf ihre Eifersucht. Sie gibt zu, ihn heimlich verfolgt, seine emails hinter seinem Rücken gelesen und auch auf seinem Handy unbekannte Nummern gewählt zu haben. War dann eine 
 Frau am Telefon, stellte sie ihn zur Rede, beschimpfte ihn und wurde auch handgreiflich..

 
In dieser Nacht muss es zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen sein und er hat seine Sachen gepackt und ist gegangen. Für immer.


So sitzt sie jetzt auf dem Sofa und weint und tobt, schimpft und schluchzt. Ich bleibe bis zum Morgengrauen und gebe ihr ein paar Kügelchen Belladonna. Bei der Verabschiedung sage ich ihr, sie solle sich morgen nochmal melden um zu sehen, ob das Mittel geholfen hat.
Wieder Zuhause falle ich ins Bett und schlafe den Schlaf der Gerechten,
 nur um einige Stunden später wieder geweckt zu werden. Eine Frau hat eine Panikattacke. Herzrasen und Schweißausbrüche haben sie aus dem Schlaf geweckt. Sie hat große Angst und fühlt eine eisige Kälte, welche nicht durch noch so heiße Anwendungen gelindert werden kann. Sie ist unheimlich müde, aber so ruhelos, dass sie angefangen hat ihre Wohnung aufzuräumen. Sie zittert am ganzen Körper.



Verordnung: Arsenicum album..



Es ist noch sehr früh am Morgen.


Eine aufgeregte Mutter ruft an. Ich kann sie kaum verstehen, da ein 
 Kind im Hintergrund kreischt und weint. Der Tochter, 5 Jahre, geht es 
 sehr schlecht. Sie hat eine Mittelohrentzündung mit Wasseransammlungen 
 im Ohr. Auch eine Gehörgangsentzündung ist jetzt dazugekommen. Sie 
 waren gestern beim Arzt, welcher Antibiotika mitgegeben und dringend 
 geraten hat, diese auch zu nehmen. Sie will es aber erstmal 
 homöopathisch versuchen.


Die Mutter erzählt, während sie parallel versucht, das Kind zu 
 beruhigen. Vor einer Woche fing es mit einer Erkältung und 
 Halsschmerzen an. Dann kam die Mittelohrentzündung dazu, welche , wie 
 man hört, sehr schmerzhaft zu sein scheint. Die Kleine hält sich die ganze Zeit das Ohr und will nicht zulassen, dass irgendjemand nur in 
 die Nähe des Ohres kommt. Einziger Verbündeter scheint ihr Kuscheltier 
 zu sein, dass sie ununterbrochen an ihr Ohr presst.

Verordnung: Hepar sulfuris



Nach ein paar Stunden Ruhe und Zeit für einen heiß ersehnten Kaffee, der nächste Anruf. Eine Schülerin kurz vor ihrem Abitur. Ihre Stimme 
 ist schwach und brüchig vor Schmerzen. Sie muss ganz dringend lernen. 
Rasende Kopfschmerzen machen ihr aber seit 4 Tagen das Leben zur 
 Hölle. Da sie kaum klar denken kann, versuche ich, das Gespräch so 
 kurz wie möglich zu halten. Was ich herausfiltere ist, dass die 
Kopfschmerzen die linke Stirn betreffen. Nichts bessert sie, außer 
 intensives Joggen.

Verordnung: Sepia.


 
Als das Telefon erneut klingelt, ist es die Eifersüchtige, die schon wesentlich ruhiger ist. Sie vermutet ihren Freund schon bei der 
 nächsten Frau und leidet schrecklich unter dieser Vorstellung. Sie 
 soll Hyoscyamus nehmen. Als sie sich das nächste Mal nach ein paar Wochen meldet geht es ihr sehr viel besser, sie hat jetzt einen neuen 
Freund und Eifersucht ist kein Thema mehr.

       
Viele Anrufe später meldet sich die Mutter des leidenden Kindes mit 
 der Mittelohrentzündung wieder. Ihrer Tochter geht es wieder gut. Sie 
 hat sich beruhigt, möchte jetzt zur Mutter auf den Arm. Auch bedeckt 
 sie ihr Ohr nicht mehr mit ihrem Kuscheltier.
Kurz nach der Mittelgabe bekam sie eine verstopfte Nase mit grünlichem 
Rotz. Auch aus dem Ohr läuft etwas klebrige Flüssigkeit.


 
Verordnung: Pulsatilla.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag bleibt ruhig. Ich hole ein paar 
 Stunden Schlaf nach.
Der erste Anruf am Sonntag morgen. Der kleine Max hat hohes Fieber und hatte schreckliche Alpträume in der Nacht. Jetzt ist Erbrechen 
 dazugekommen. Alles was er isst und trinkt, kommt sofort in hohem 
 Bogen wieder raus, völlig unverdaut. Er will nur im Bett bleiben, was ungewöhnlich ist. Die Mutter ist sehr beunruhigt, so kennt sie ihren 
 Sohn nicht. Auf seiner Stirn ist ein leichter kalter Schweißfilm. Er 
 ist blass und hat dunkle Ringe unter den Augen. Trotz der Schwäche ist 
 er ruhelos, sein Blick irrt umher, seine Beine bewegen sich dauernd.
Fast befehlshaberisch verlangt er mal dieses mal jenes von seiner Mutter.

Verordnung: Veratrum album.

Ich wundere mich, wie es der jungen Schülerin mit den Kopfschmerzen geht. Ich rufe sie an, um zu sehen, ob Sepia ihr Erleichterung gebracht hat. Eine klare und feste Stimme begrüßt mich am anderen 
 Ende. Sie sagt, dass sie nach der Mittelnahme fast den ganzen Tag geschlafen hat. Heute sind die Kopfschmerzen weg und sie kann sich 
wieder in in ihre Bücher vertiefen.
Dann ein 15 jähriger Junge. Er hat sich beim Fußballspielen den Knöchel verstaucht. Der Knöchel ist geschwollen und gerötet, jede 
Berührung und Bewegung schmerzt. Er musste das Spiel vorzeitig abbrechen und liegt jetzt äußerst schlecht gelaunt und vor sich hin schimpfend zuhause auf dem Sofa. Er bekommt Bryonia, soll sich aber 
vorsichtshalber in der orthopädischen Ambulanz untersuchen lassen.
Die Mutter des kleinen Mädchens ruft nochmal an. Die Kleine hat keine Probleme mehr und spielt wieder munter im Garten. Am nächsten Tag geht 
 sie mit der Tochter zu ihrem Arzt, um wirklich sicherzugehen, dass 
 keine Entzündung zurückgeblieben ist. Dieser ist verblüfft über die 
 schnelle Genesung und von Antibiotika ist keine Rede mehr.


Auch die Frau mit der Angst meldet sich. Sie erzählt, dass sie sich 
 nach dem Mittel beruhigen konnte. Ich lege ihr trotzdem ans Herz, bald einen klassischen Homöopathen in ihrer Nähe aufzusuchen, um die Angst in einer chronischen homöopathischen Behandlung anzugehen.

 So geht das Wochenende für mich zu Ende. Ich habe viele neue Fällen, Geschichten und Menschen im Kopf, bin müde, aber glücklich, mit meinem 
 Rat einigen geholfen zu haben.


Jeder Anruf beim Homöopathischen Notdienst ist für uns einzigartig und oftmals voller Überraschungen. Wir bemühen uns, schnell und effektiv zu helfen. Dies gelingt uns sehr oft, auch wenn bei einigen Fällen die akute Behandlung nicht ausreicht, sondern eine konstitutionelle Therapie nötig ist, um auf einer tieferen Ebene zu heilen.
 Sich all diesen Herausforderungen zu stellen, macht den Homöopathischen 
 Notdienst für uns alle so spannend und wertvoll.


Der homöopathische Notdienst ist eine gute Alternative aber auch 
 Begleitung zur Schulmedizin. Wir achten sehr darauf, in kritischen Lagen die Schulmedizin hinzuzuziehen.
Wir versuchen jeden Tag zu zeigen, was mit Homöopathie alles möglich 
 ist und viele Anruferinnen und Anrufer machen die gleiche Erfahrung 
 wie Goethe, als er 1820 über die Homöopathie schrieb: „... ich glaube 
 jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seit dem ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und
 immer wieder empfinde.“